PSD-Tutorial „Dramatisches Portrait“

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In diesem Tutorial möchte ich zeigen, wie man jedes Porträt dramatisieren kann. Dies ist kein Einsteiger-Workshop. Ich erkläre nicht jeden Arbeitsschritt bis ins Detail.

Ich möchte vorweg sagen, dass ich ein Verfechter der kleinen Änderungen bin, aber davon dann gern viele. Das bedeutet, dass ich in vielen Steps arbeite und dass die einzelnen Änderungen oft nur schwer für Außenstehende erkennbar sind. Ich habe dennoch versucht, sie darzustellen und kenntlich zu machen.

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Ich arbeite sehr filigran und mit so wenig wie möglich Qualitätsverlust. Daher bevorzuge ich die sogenannten „Einstellungsebenen“. Arbeitet sorgfältig und denkt immer daran: Weniger ist mehr.:)

Sollten sich Fragen ergeben oder Abläufe unklar sein, freue ich mich auf Eure Kommentare! Nun gehts los:

1. Hier ist das Ausgangsbild:

Es ist absolut sinnvoll, vorab eine Standard-Bildoptimierung vorzunehmen, also Belichtungskorrektur, Tonwert- und Gradationskurven-Anpassung, Farbkorrekturen, Beauty-Retuschen und Schärfen. Dieses Ausgangsbild hier hat das alles bereits hinter sich.

1ausgangsbild

2. Als erstes habe ich eine Rauschreduzierung durchgeführt. Diese findet Ihr in der Filtergalerie. Rauschreduzierung kann notwendig werden, wenn das Rauschen im Bild großflächig sichtbar wird. Allerdings bedeutet es auch immer einen qualitativen Eingriff in das Foto. Die dadurch entstehende leichte Unschärfe habe ich in Kauf genommen, da ich zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, dass die Manipulation an diesem Foto doch umfangreicher wird.

2c_mit_ohne_rr

3. Ein Porträt lebt von den Augen. Daher widme ich diesen immer meine ganz besondere Aufmerksamkeit. Da die Augen in den Höhlen etwas tiefer liegen und damit leider immer etwas weniger Licht bekommen, werden sie nun aufgehellt. Dazu wird die Ebene mit der Rauschreduzierung dupliziert. In der Ebenenpalette wird nun der Ebenenmodus „negativ multiplizieren“ ausgewählt. Fügt dieser Ebene eine Ebenenmaske hinzu und setzt diese auf schwarz (STRG + I). Dann wählt einen weißen, weichen Pinsel, Deckkraft auf 15% und hellt den Bereich der beiden Augen nach und nach auf.

3a_augenaufhellen

4. Es ist sinnvoll, das Augenweiß farblich zu entsättigen. Meist finden sich dort reflektierende Farben aus der Umgebung des Models, kleine rote Äderchen usw. Das wirkt schnell müde oder krank. Um den Blick strahlender zu machen, genügt es, die Farbe einwenig zu reduzieren. Dazu am besten eine Einstellungsebene anlegen und diese mit Rechtsklick zur Schnittmaske umwandeln. Da wir in 3. ja alles bis auf die Augen maskiert haben, können wir das wie beschrieben handhaben.

4augenweissentsaettigen

5. Aus ziemlich den gleichen Gründen und dem, dass einige Kameras mit einem leichten Hang zu zuviel Rot und Gelb neigen, korrigieren wir nun die Farbe der Iris. Dazu eine neue Einstellungsebene „Selektive Farbkorrektur“ anlegen. In deren Dropdown „Farben“ die Grautöne auswählen. Ich habe dort folgende Werte eingetragen: Cyan: +18 / Magenta: +16 / Gelb: -15 / Schwarz: -25. Nun bitte noch von den Grautönen in die Weißtöne wechseln und dort das Schwarz auf +100 setzen. Nun noch in die Schwarztöne und dort das Schwarz auf +15. Das wars.

5a_farbkorrekturaugen

6. Da wir gerade bei der Farbkorrektur sind, erstellen wir eine weitere Einstellungsebene „Selektive Farbkorrektur“. Diesmal nicht als Schnittmaske! Bei Fotografien von Porträts wirkt die Haut oft zu rot oder gelb und dadurch schnell fleckig. Daher sollte man bei Porträts immer den Farbton der Hautbereiche korrigieren. Ich gehe also in der selektiven Farbkorrektur auf die Rottöne und habe hier den Schwarzwert auf -50 gesetzt. In den Gelbtönen setze ich den Schwarzwert auf -30.

6a_hauthell

7. Noch einmal zurück zum Auge. Wir haben bereits eine Farbkorrektur der Iris vorgenommen, nun werden wir die Farbintensität etwas erhöhen: Erstelle eine Einstellungsebene „Dynamik“, setze den Regler bei Dynamik auf +60 und bei Sättigung auf +10. Invertiere die Einstellungsebenenmaske mit SRTG+I zu schwarz und male nun mit einem weißen Pinsel mit einer Deckkraft von 20% in die Iris. So oft, bis sich das gewünschte Farbergebnis einstellt. Auch hier gilt: Weniger ist mehr. Meine Änderungen sind kaum wahrnehmbar.

7a_dynamik_iris

8. Um dem Blick noch etwas mehr Dramatik und Bedeutung zu verleihen, erhöhen wir nun den Kontrast in den dunklen Stellen der Augen. Dazu legen wir eine weitere Einstellungsebene an „Helligkeit/ Kontrast“ und setzen den Regler für Kontrast auf +31. Helligkeit bleibt bei Null. Wieder die Einstellungsebenenmaske invertieren auf schwarz und mit einem weißen Pinsel die Stellen nachzeichnen, die dunkler werden sollen. Wieder mit geringerer Deckkraft arbeiten. Lieber einmal mehr drüber als direkt zu viel! Ihr könnt Euch auch die Maske von der darunterliegenden Maske kopieren, indem Ihr einfach die untere Maske anklickt, dann Alt gedrückt haltet und diese Maske in die Maske darüber zieht.

8a_augenkontrast

9. Nun werden wir Lichter in der Iris verstärken oder hinzufügen. Dazu erstellen wir eine weitere Einstellungsebene „Gradationskurve“ und erhöhen den Helligkeitswert der Kurve, indem wir die Mitte der Kurve etwas nach oben ziehen. Nun wieder die Ebenenmaske auf schwarz invertieren und mit einem weißen Pinsel mit geringer Deckkraft die Lichter in die iris hineinmalen.

9a_lichtiniris

10. Als nächstes werden Spitzlichter in die Augen gesetzt, um etwas Dynamik in den Blick zu bringen. Dazu wird eine neue leere ebene erstellt und mit einem weißen Pinsel mit geringer Deckkraft zeichnet man partiell in den Augenbereich. Wenige kleine Linien oder Punkte an den richtigen Stellen genügen. Wichtig ist, dass sie an den richtigen Stellen sitzen. Am besten man verstärkt vorhandene oder man orientiert sich an anderen Fotos.
10a_spitzlichter

11. Nun erstellen wir eine Zwischenebene, in der wir unsere bisherige Arbeit zusammenfassen: Klickt die oberste sichtbare Ebene an und drückt STRG+ALT+Shift+E oder übers Menü: Auswahl->Alles auswählen ->Bearbeiten->Auf eine Ebene reduziert kopieren -> Bearbeiten -> Einfügen

Setzt den Ebenenmodus der neuen Ebene auf „Weiches Licht“ und die Deckkraft auf 25%. Auf dies Art heben wir den Kontrast im Bild etwas an und lassen es strahlen.

11a_zwischenebene

12. Und nun der Vergleich von unserem Ausgangsbild und dem jetzigen Arbeitsstand:

12vergleich1

13. Nun werden wir die Schatten und Lichter verstärken. Als erstes widmen wir uns den Schatten und erstellen eine neue Einstellungsebene „Gradationskurve“ und ziehen die Kurve im linken Drittel etwas nach unten. Hiermit werden wir Flächen im Bild abdunkeln. Die Ebenenmaske wieder auf schwarz invertieren. Nun einen weißen Pinsel mit folgenden Einstellungen verwenden: 0% Härte, 15% Deckkraft und 65% Fluß. Je größer der Pinsel desto weicher die Anpassungen. Achtet darauf, dass Ihr auch wirklich auf der Ebenenmaske arbeitet. Hier seht Ihr, wie meine Ebenenmaske aussieht (Step 13 & 14):

13a_kurve1

14. Und nocheinmal das Ganze. Bitte Step 13 wiederholen, nun aber nicht die Flächen abdunkeln, sondern die Linien (Falten, Haare, Augenränder, etc.)

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15. Nun kommen die Lichter dran. Wieder eine Einstellungsebene „Gradationskurve“. Diesmal ziehz Ihr den rechten Teil der Kurve etwas nach oben. Hiermit werden wir Flächen im Bild aufhellen. Die Ebenenmaske wieder auf schwarz invertieren. Nun einen weißen Pinsel mit folgenden Einstellungen verwenden: 0% Härte, 15% Deckkraft und 65% Fluß. Je größer der Pinsel desto weicher die Anpassungen. Achtet darauf, dass Ihr auch wirklich auf der Ebenenmaske arbeitet. Hier seht Ihr, wie meine Ebenenmaske aussieht (Step 15 & 16):

maske4

16. Und nochmal wiederholen, nun aber nicht die Flächen aufhellen, sondern die Linien. Hier das Ergebnis:

16a_kurve4

17. Erstellt eine neue Einstellungsebene „Farbton & Sättigung“ mit folgenden Werten: Sättigung -100, Helligkeit +40. Dann stellt den Ebenenmodus auf „weiches Licht“.

18. Das Ganze wiederholen. Das Ergbnis im Vergleich (Step 16 & 18):

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19. Nun erstellen wir wieder eine Zwischenebene (siehe Step 11).  Über Bild -> Korrekturen -> Farbton & Sättigung zieht Ihr die Sättigung dieser Ebene auf -100. Dann stellt ihr den Ebenenmodus auf „weiches Licht“ und die Deckkraft der Ebene auf 55%. Gebt dieser Ebene eine Ebenenmaske und invertiert sie auf schwarz. Zeichnet nun mit einem weißen, weichen Pinsel die Eben partiell ins Bild.

Hier mein Ergebnis mit Ebenenmaske:

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20. Einige Lichter möchte ich noch mehr verstärken, also erstelle ich eine leere neue Ebene und zeichne mit einem weichen Pinsel in weiß bestimmte Linien und Bereiche in meinem Bild nach. Dann stelle ich den Ebenenmodus auf „Ineinanderkopieren“. Ist es Euch zu Stark, könnt Ihr den Effekt über die Ebenendeckkraft abmildern.

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21. Erstellt eine neue Einstellungsebene „Farbton & Sättigung“ und stellt die Sättigung auf -68.

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22. Das Bild ist noch zu hell. Also dunkeln wir es ab. Eine neue Einstellungsebene „Gradationskurve“ erstellen. Den linken Bereich der Kurve und ein wenig auch den mittleren Bereich nach unten ziehen. Das Bild wirkt nun dunkler.

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23. Nun passen wir die Schatten und Lichter im Bild noch etwas besser an. Dazu erstellt Ihr Euch eine neue leere Ebene und füllt diese mit 60% schwarz. Stellt diese im Ebenenmodus auf „Ineinanderkopieren“ auf 60%. Nun arbeitet mit dem Abwedler und Nachbelichter aus der Werkzeugleiste und verstärkt oder mildert auf diese Weise Lichter und Schatten.

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24. Als letztes wollen wir unser Werk noch ein wenig Schärfe verleihen. Das machen wir ganz herkömmlich via Hochpass-Schärfung mit Radius 2 und dem Ebenenmodus „Ineinanderkopieren“.

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25. Und fertig ist das dramatische Porträt. Hier nochmal im Vergleich das Ausgangsbild und das Ergebnis:

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